Trainer Brux: Kein Club wartet auf ein Frauenteam


Nach über zehn Jahren gibt es wieder ein Frauenteam im Oberwalliser Eishockey – und bereits winkt die Aufstiegsrunde.

Publiziert: 05.02.2025 auf pomona.ch

pomona.media/Daniel Berchtold

Radio Reportage zum Nachhören

Zu Besuch beim Training der Hockey Ladies Oberwallis

Dienstagabend in der Raiffeisen-Arena in Raron: Die Hockey Ladies Oberwallis trainieren. «Stock aufs Eis – Schulterblick!», ruft Trainer Frank Brux.

Die Frauen auf dem Eis nehmen die Anweisung auf und setzen sie konzentriert um. Es ist ein bunter Mix aus Spielerinnen aus dem ganzen Oberwallis. Die jüngste ist 13 Jahre alt, die ältesten sind über 40 und haben Kinder zu Hause. Auf dem Eis verschwimmen diese Unterschiede: Alle haben das gleiche Ziel, sind motiviert.

Die Hockey Ladies haben Blut geleckt. Obwohl es erst ihre erste Saison ist, steht die Aufstiegsrunde in greifbarer Nähe. Aktuell sind sie auf dem zweiten Tabellenplatz klassiert. «Mit dieser Ausgangslage wollen wir jetzt gewinnen und um den Aufstieg kämpfen», sagt Captain Dagmar Wellig. Noch drei Spiele trennen die Hockey Ladies von der Aufstiegsrunde. Nach einem 8:1-Sieg am Wochenende und einem Triumph gegen den Tabellenführer Ajoie gehen sie voller Selbstvertrauen in die verbleibenden Partien.

Captain Dagmar Wellig Quelle: pomona.media/Daniel Berchtold
Trainer Frank Brux Quelle: pomona.media/Daniel Berchtold

Diese Erfolgsgeschichte im Oberwalliser Frauenhockey ist alles andere als selbstverständlich. Seit 2010 gab es keine Frauenmannschaft mehr in der Region. «Kein Klub wartet auf ein Frauenteam», erklärt Frank Brux. Das kostet Geld und sie nehmen Eiszeit weg, die andere gerne nutzen würden. Dennoch setzte sich Brux für ein Frauenteam ein.

Die Situation der jungen Spielerinnen war ihm ein Dorn im Auge. «Wir bieten eine Hockeyschule an und rekrutieren bewusst Mädchen. Diese werden im Nachwuchs integriert, spielen bis zur U17 und dann endet der Weg. Wir mussten ihnen sagen: ‹Wir haben keinen Plan für dich. Du kannst aufhören, Hockey zu spielen.› Das kann nicht sein. Wenn wir rekrutieren, müssen wir den Mädchen doch auch eine Perspektive bieten», findet Frank Brux.

Als Nachwuchstrainer fielen ihm zudem weitere Aspekte auf: «Alle Mädchen, die aus dem Nachwuchs kommen, sind Verteidigerinnen. Es gibt kaum Stürmerinnen. Mädchen werden alibimässig hinten aufgestellt, dort, wo sie nicht allzu viel kaputt machen können.» Um diesen Missständen entgegenzuwirken, pushte Brux die Gründung einer Frauenmannschaft. Unterstützung fand er dafür beim EHC Raron, dem die Hockey Ladies angeschlossen sind.

Im letzten Sommer starteten die ersten Trainings mit einer kleinen Gruppe von Spielerinnen. Brux sprach gezielt einige Aktivspielerinnen an. Anfangs waren es jedoch noch zu wenige. Im Herbst folgte dann ein unerwarteter Aufschwung: Fast wöchentlich gingen Anfragen von Quereinsteigerinnen ein. Heute zählt die Mannschaft 22 Spielerinnen. «Die Stimmung im Team ist toll. Wir haben es gut miteinander, aber wir sind alle auch ehrgeizig», sagt Captain Dagmar Wellig. Jede Minute auf dem Eis bereite ihr Freude, die Hockey Ladies gäben ihr Energie.

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Der Start ist gelungen. Nun brauchen die Hockey Ladies sportliche Erfolge, sagt Frank Brux. «Das macht es schlussendlich attraktiv.» Ziel sei der Aufstieg in die C-Liga und perspektivisch sogar einer in die B-Liga. «Das bleibt vielleicht auch nur ein Traum», meint Brux.

Ob Traum oder Realität: Die Hockey Ladies haben bereits bewiesen, dass Leidenschaft und Zusammenhalt Berge versetzen können – und die Motivation auf dem Eis grösser ist denn je.


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