Jedes Jahr am 5. Februar gedenken die Feuerwehren ihrer Schutzpatronin, der heiligen Agatha. Doch woher kommt die Legende? Ein Besuch bei der Feuerwehr Region Visp.
Publiziert: 05.02.2025 auf pomona.ch
Jelena Kalbermatten, Gregory Feger

Radioreportage zum Nachhören
Sie kam im Jahr 225 in Sizilien zur Welt und starb 25 Jahre danach ebenda: die heilige St. Agatha von Catania. Nochmals 1700 Jahre nach der Geburt der Heiligen wurde in Visp im Oktober 1925 der Oberwalliser Feuerwehrverband (OWFV) gegründet. Und bis heute ist der OWFV eng mit der heiligen Agatha verbunden.
Denn St. Agatha ist die Schutzpatronin der Feuerwehren in der Schweiz. Am 5. Februar jedes Jahres gedenken diese ihrer Heiligen – auch im Oberwallis. Andreas Kalbermatter ist der Kommandant der Feuerwehr Region Visp. Diese kümmert sich um die Ortschaften Visp, Baltschieder, Eggerberg und Ausserberg sowie seit einem Jahr auch um Lalden. Kalbermatter sagt, dass die sogenannte Agathafeier ein wichtiger Bestandteil des Feuerwehrjahres sei. «Wir haben die Möglichkeit, an diesem Tag zu üben und der Bevölkerung unsere Arbeit näherzubringen.» Zudem können die Feuerwehren auf das vergangene Jahr zurück- und auf das kommende vorausblicken.
So sagt Kalbermatter, dass 2024 ein intensives Jahr für die Feuerwehr Region Visp war – «wir hatten neben den Hochwassern im Sommer einiges an Bränden und Unfällen zu bewältigen». Um die zahlreichen Einsätze zu bestreiten, braucht es aber auch viele freiwillige Feuerwehrmänner und -frauen. Unter anderem hilft dabei die Jugendfeuerwehr.
20 junge Feuerwehrleute – einer davon ist Finn
Finn Margelist ist einer der jungen Feuerwehrleute. Der 13-Jährige ist seit drei Monaten bei der Jugendfeuerwehr der Region Visp. An der Agathafeier 2025 ist ihm die Freude förmlich anzusehen. Er sagt: «Ich wollte schon immer zur Feuerwehr – ein Traum geht für mich in Erfüllung.» Finn hat Freude an den verschiedenen Übungen, bei denen er an der St. Agathafeier am Mittwoch und über das Jahr hindurch mitmachen kann. Doch vor allem gefällt dem Jungfeuerwehrmann eines – die Pflege der Kollegschaft.



Die Jugendfeuerwehr Region Visp umfasst zurzeit rund 20 Mitglieder. Immer wieder kann die Feuerwehr junge Leute wie Finn Margelist begeistern. Aber nichtsdestotrotz: Die Feuerwehren im Oberwallis sind grossmehrheitlich auf freiwilliger Basis, Leute zu rekrutieren ist eine Herausforderung. Kommandant Andreas Kalbermatter sagt, der Bestand seiner Feuerwehr sei gut – «aber wir müssen dranbleiben». Damit sich die Freiwilligen der Feuerwehr Region Visp auf ihre wesentlichen Aufgaben konzentrieren können, beschäftigt die Feuerwehr zwei Angestellte im Vollzeitpensum. «Diese kümmern sich um die administrative und organisatorische Arbeit, um unsere Milizfeuerwehr zu entlasten», sagt Kalbermatter.
Die Agathafeier in Visp startete morgens um 7.30 Uhr mit dem Appell auf dem Schulhausplatz in Eyholz. Zuvor versammelten sich die Feuerwehrzüge in ihren jeweiligen Lokalen. Sie gingen dann gemeinsam nach Eyholz. Danach konnten Interessierte während rund zwei Stunden an drei verschiedenen Posten Übungen zu Schiebeleitern, Knotenlehre oder zum Erstellen von Leitungen und Verbrauchern absolvieren. Nach der Messe gab es einen Apéro und das Mittagessen, bevor dann am Nachmittag die zwei Rapporte anstanden. In Visp dabei war der kantonale Feuerwehrinspektor Philipp Hildbrand.
Von Kampagnen und Mund-zu-Mund-Propaganda
Blickt Hildbrand auf den Zustand der 35 Oberwalliser Feuerwehren mit rund 2000 Angehörigen, dann zeigt er sich zufrieden: «Sie sind gut ausgebildet und ausgerüstet. Und auch an der Vorbereitung für allfällige Einsätze scheitert es nicht.» Doch auch Hildbrand sagt, man müsse am Ball bleiben, um den Standard zu halten, auch was die Anzahl der Feuerwehrleute betrifft. «Kurzfristig», so Hildbrand, «können Einsätze helfen, neue Freiwillige zu rekrutieren, die dadurch auf uns aufmerksam werden – aber wir brauchen auch längerfristige Massnahmen.» Und diese setzt die Walliser Feuerwehr bereits um.



So verweist Philipp Hildbrand auf den Rekrutierungstag am ersten Donnerstag im November und auf diverse Kampagnen, welche die Feuerwehr immer wieder durchführt – etwa für mehr Frauen in der Feuerwehr oder für die Jugendfeuerwehr. «Und nicht zuletzt hilft auch die Mund-zu-Mund-Propaganda.»
Was bedeutet der Klimawandel für die Feuerwehr?
Mit dem Klimawandel werden Waldbrände immer häufiger und die Feuerwehren dadurch immer wichtiger – insbesondere im Sommer in trockenen und heissen Gebieten wie dem Wallis. Und bereits die Schutzpatronin der Feuerwehr, die heilige Agatha, war laut Legende bei der Bekämpfung einer Naturkatastrophe behilflich. Nachdem die gottgeweihte Agatha einen Heiratsantrag des heidnischen Statthalters der ersten römischen Provinz Sicilia zurückgewiesen hatte, liess er sie für einen Monat in ein Bordell verschleppen. Doch auch damit überzeugte er die heilige Agatha nicht von einer Hochzeit. Er liess ihr deshalb die Brüste abschneiden.
Nach dieser Folter, so besagt es die Legende, erschien Agatha der heilige Petrus. Als man dies bemerkte, verurteilte der Statthalter sie zum Tode – er liess sie auf glühende Kohle legen. Rund ein Jahr später brach der Vulkan Ätna auf der Heimatinsel der heiligen Agatha aus. Die Einwohner von Catania am Fusse des Ätna zogen mit dem Schleier der Verstorbenen den Lavaströmen entgegen – und brachten diese damit zum Stehen. So gilt die heilige Agatha heute unter anderem auch als Schutzpatronin bei Klimakatastrophen und Brustkrebs. Und auch wenn die Oberwalliser Feuerwehr nicht im Besitz des Schleiers der heiligen Agatha ist, Feuerwehrinspektor Hildbrand sieht die Walliser Feuerwehr gut vorbereitet auf die wachsende Gefahr der Waldbrände zugehen.
«Die Kantone Tessin, Wallis und Graubünden sind wohl am besten von allen Feuerwehren darauf vorbereitet und ausgerüstet – das hat auch der Waldbrand in Bitsch von 2023 gezeigt», so Hildbrand. Und mit dem neuen Waldbrandkonzept erhalten die Walliser Feuerwehren weiteres Material für den Ersteinsatz. Gelagert wird das Material an drei zentralen Orten im Kanton. Definiert sind diese noch nicht – ausser einer: In Leuk steht das Material für alle Oberwalliser Feuerwerken zur Verfügung. Philipp Hildbrand hält fest: «Wir hoffen natürlich, dass Waldbrände nicht zunehmen – aber wir bereiten uns darauf vor. Damit wir gewappnet sind, sollte es dazu kommen.»