Bietschhorn – Ein Berg geht unter die Haut


Publiziert: 13.08.2024 auf pomona.ch
Jelena Kalbermatten, Joel Brenner

Heute vor 165 Jahren standen ein Engländer und drei Lötschentaler als Erste auf dem Gipfel des Bietschhorns. Ein Berg, der bis heute für viele Heimat symbolisiert und als Tattoosujet dient.

Am 13. August 1859 gelang dem Engländer Leslie Stephen und den Lötschentalern Johann und Joseph Siegen und Joseph Ebener die Erstbesteigung des Bietschhorns.

Der Oberwalliser Historiker Werner Bellwald sagt: «Der Engländer Leslie Stephen war ein berühmter Bergsteiger. Ein Ass des alpinen Alpenclubs der Engländer.» Er habe viele Bücher geschrieben, unter anderem «The Playground of Europe».

Die drei Oberwalliser hätten den Engländer zum Gipfel des Bietschhorns gebracht und danach auch wieder hinunter. Im anschliessenden Tourenbericht habe Stephen sich «nicht so lobend» über die Oberwalliser geäussert, sagt Bellwald. «Das Dankeschön für die Begleitung war nicht gross.»

Im Lötschental gab es damals kein Hotel. Die Bergsteiger brachen am Abend zuvor auf. «Sie haben irgendwo im Wald übernachtet, ausgerüstet mit einer Decke und Proviant. Es gab damals keine Alpenclubhütte.» Am nächsten Tag begann der Aufstieg. Damals hätten sich viele Bergsteiger einen Träger dazugeholt, der Decken oder Nahrungsmittel trug.

Bellwald sagt: «Die frühen Bergtouren waren eher Expeditionen. Zum Teil wussten die Bergsteiger nicht, wo sie lang mussten, weil es keine guten Landkarten gab.»

Die Bergsteigergruppe der drei Oberwalliser und dem Engländer war nicht die erste, die das Bietschhorn erklimmen wollte. Bellwald sagt: «Es gab davor schon verschiedene Versuche, alle mussten schlussendlich umkehren.» Auf den Fotografien der Bergsteiger von damals sei zu erkennen, dass die Bergsteiger eine sehr einfache Ausrüstung hatten. «Ein paar genagelte Schuhe, ein paar Hosen und ein Seil, welches heute nicht mehr als Seil durchgehen würde.»

Steigeisen habe es bereits gegeben. Die Leute seien zudem trittsicher gewesen und hätten eine gute Kondition gehabt, da sie in der Berglandschaft wohnten. «Wenn ich im Museum oder auf Fotos die Bergsteigerausrüstung von damals sehe, denke ich mir: Das möchte ich nicht ausprobieren», sagt Bellwald.

Die Erstbesteigung des Bietschhorns zog viele Alpinisten ins Lötschental. «Die Leute im Tal haben bemerkt, dass der Fremdenverkehr zunimmt.» Neben dem Bietschorn seien im Lötschental auch die Gebirgstouren wie der Beichpass für Touristen interessant gewesen. Darauf wurde im Lötschental das erste Hotel gebaut. Bellwald sagt: «Wenn damals zwanzig Touristen im Hotel waren, hiess es, das Tal sei voller Fremder.»

Seit der Erstbesteigung standen viele Menschen oben auf dem Gipfel. Andere haben den Berg ein Leben lang vom Tal aus bestaunt. Für viele Oberwalliser, sei es aus dem Lötschental, Ausserberg, Unterbäch, Visperterminen, Bürchen oder Unterbäch ist das Bietschhorn ein Zeichen der Heimat. Es symbolisiert die Liebe zu den Bergen, Freiheit, aber auch Geborgenheit und Familie. Um diese Verbundenheit zu verewigen, haben sich viele Menschen das Bietschorn tätowiert. 

Das Bietschhorn ist der Lieblingsberg von Alessandra Bregy und ein Zeichen für ihre Heimat. Als Kind in den Ferien auf der Fafleralp oder beim Skifahren hat sie das Bietschhorn immer beeindruckend gefunden. 

Das Bietschhorn-Tattoo zweier Freundinnen, eine aus dem Lötschental, eine aus dem Rhonetal. Gestochen von Joana Fux.

Das Bietschhorn aus Sicht von Visperterminen – Patrick Zimmermann hat den Blick aus seinem Kinderzimmer verewigt. 

Für Fredy Rieder ist das Bietschhorn Inbegriff von Heimat, Familie, Tradition und Natur.

Das Tattoo von Larissa Ebener zeigt ihre Liebe zu den Bergen und die tiefe Verbindung zur Heimat. Der markante Gipfel gibt ihr ein Gefühl von Freiheit, Sicherheit und Geborgenheit. Vor zwei Jahren stand sie selbst auf dem Gipfel und erfüllte sich damit einen Traum. 

Das Bietschhorn als Erinnerung an den Bruder und Freund, welcher viel und gern Zeit im Baltschiedertal verbrachte. 

Das Bietschhorn aus Bürchner Sicht – Heimatblick für Rafael Sieber.

Dieses Bietschhorn wurde in den Ferien auf Bali gestochen. 

Die Koordinaten des Bietschhorn-Gipfels zieren den Rücken von Samira Kalbermatten. 

Das Bietschhorn-Tattoo von Jonas Jeiziner, gestochen von Tattoo Herzblut.

Für Thomas Pfaffen ist das Bietschhorn der schönste Berg der Alpen. Der majestätische Gipfel fasziniert ihn immer wieder aufs Neue. 

«Was für ein schöner Berg», das denkt sich Ivan Roth immer wieder, wenn er hoch zum Bietschhorn blickt. Es begleitet ihn stets; ob er nach Hause kommt oder ob er geht, immer wandert sein Blick hoch zum Gipfel. 

Das Bietschhorn auf dem Arm von Mischa Rieder ist eine Vorlage einer Zeichnung seines verstorbenen Onkels. 

Das Bietschhorn begleitet die heute 20-jährige Silja seit ihrer Kindheit. Sie machte immer Skiferien im Lötschental. Den dazugehörigen Steinadler hat ihr muskelkranker Bruder im Lötschental fotografiert. Sie sagt: «Mein Bruder hat nicht eine sehr grosse Lebenserwartung, und ich weiss, dass ich ihn sehr wahrscheinlich einmal verlieren werde. Es war ein grosses Bedürfnis, diese Bietschhorn-Steinadler-Verbindung schon jetzt auf meinen Rücken tätowieren zu lassen. Mein Bruder ist im Lötschental sehr glücklich, geniesst die Natur und beobachtet stundenlang Tiere, er hat schon viele sehr schöne gelungene Fotos gemacht. Ihn glücklich zu sehen, macht auch mich glücklich.»

Saskia Kalbermatten wollte nach ihrem Südamerika-Aufenthalt eigentlich ein Tattoo der Reise machen. Als sie dann auf dem Heimweg aus dem Flugzeug das Bietschhorn erblickte, dachte sie: «Das ist Heimat, immer wieder ist es schön, nach dem Reisen nach Hause zu kommen.» So entschied sie sich für ein Bietschhorn-Tattoo. Zudem gehört der Tag, an dem sie mit ihrem Vater 2015 auf dem Gipfel des Berges stand, bis heute zu ihren Lieblingstagen. 

Das Bietschhorn, gestochen von sinkabell.

Das Bietschhorn aus Bürchner Sicht, tätowiert von mogliink.

Als Andrea Burri das erste Mal in die Ferien auf die Lauchernalp kam, war sie schockverliebt ins Bietschhorn. Sie wollte es immer bei sich haben, weil es ihr Ruhe und Kraft spendet, und obwohl sie keine Lötschentalerin ist, gibt ihr der Berg ein Heimatgefühl. 

Am 7. August 2021 stand Roberto Bregy zum ersten Mal auf dem Gipfel des Bietschhorns.

Bietschhorn aus Lötschentaler-Sicht.

Das Bietschhorn-Tattoo der Autorin symbolisiert das Gefühl der Freiheit, welches sie in den Bergen spürt.

Noemi Salzgeber: Das Bietschhorn als Zeichen der Heimat und Kraftquelle. Blick von der Alpe Jungholz oberhalb von Eischoll.

Sebastian Leiggener: «Das Bietschhorn ist mein Lieblingsberg, der mir viele schöne Erinnerungen schenkt.»

Patrick Erpens Bietschhorntattoo.

Alessia Martig: «Bietschhorn ist für mich pure Freiheit, und von unserer Alpe Obermatten sehe ich es immer wieder, wie schön der Berg ist.»

Das Bietschhorn in Kombination mit Mond und Sternen


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert