Was die Lämmerenhütte zur beliebtesten SAC-Hütte macht


8700 Menschen übernachteten im letzten Jahr in der Lämmerenhütte. So viele wie nirgends. Die Hüttewarte, die seit 33 Jahren dort sind, haben eine Erklärung. Ein Augenschein.

Publiziert: 24.07.2024 auf pomona.media
Jelena Kalbermatte, Rebecca Schüpfer

Radioreportage zum Nachhören

Über 8000 Menschen schlafen jedes Jahr in der Lämmerenhütte auf der Gemmi. Die Hütte mit den roten Fensterläden ist berühmt. Und beliebt. 2019, 2022 und 2023 verzeichnete diese Hütte die meisten Übernachtungen aller SAC-Hütten in der Schweiz.

Was macht diese Hütte auf 2500 m ü. M. aus? Und kann man sie überhaupt mit anderen vergleichen?

Eine Berggängerin, die an diesem Dienstagmorgen nach Kandersteg will, sagt: «Die Szenerie hier oben ist magisch. Die Gletscher, die Höhe. Und trotzdem gibt es grüne Flächen im Sommer. Das ist speziell. Ich konnte die Tour allein machen, ich fühlte mich wohl zuzusteigen.» Sie wählte die Normalroute über den Gemmipass.

Die meisten, die in der Lämmerahütte übernachten, kommen von Leukerbad her. Anderthalb Stunden, 250 Meter Aufstieg, 80 Meter Abstieg. Die anderen Zustiege dauern länger. Von der Engstligenalp beträgt die Wanderzeit rund vier Stunden, 960 Meter Aufstieg, 410 Meter Abstieg. Insgesamt gibt es sechs Zustiege. Bei anderen Hütten gibt es weniger solch einfachen Zustiege, auch deswegen ist die Lämmerenhütte bei Familien und weniger erfahrenen Wanderern beliebt. 

Hüttenwartpaar Barbara und Christian Wäfler

Christian Wäfler und seine Frau Barbara sind seit 33 Jahren auf der Lämmerenhütte. Es ist halb elf Uhr, die erste Rösti brutzelt bereits in der Pfanne. Der Hunger läuft dort oben immer mit. Barbara Wäfler kocht, Christian Wäfler serviert. So läuft das schon seit Jahren. Und es funktioniert. «Ich habe kein Geheimrezept», sagt Christian Wäfler. Er meint damit weniger die Rösti, sondern die guten Übernachtungszahlen in der Lämmerenhütte. Es seien vielmehr glückliche Umstände, die zu vielen Übernachtungen führten. Das grössere Interesse an Outdooraktivitäten habe sicherlich dazu beigetragen. Zudem sei die Hütte auch im Winter leicht zugänglich. Während dieser Jahreszeit übernachten vor allem Skitourengänger und Bergführer aus den verschiedensten Regionen der Alpen in der Lämmerenhütte. Im Sommer sind es vorwiegend Familien und Individualwanderer.

In den letzten Jahren hatte es immer wieder Veränderungen in der Haupteinnahmequelle gegeben. Früher, vor Corona, war die Hütte im Sommer und im Winter etwa gleich gut belegt. Dann wurde der Sommer stärker, bis es sich wieder einpendelte. Heute sei fast alles beim Alten, so Wäfler. Ausser, dass sie seit Corona die Hütte nicht mehr ganz füllen würden. Weil es angenehmer sei. Bei einer Kapazität von 96 werden lediglich 80 bis 85 beherbergt. Wochentags noch weniger. Ein Luxus, den sich nur eine Hütte leisten kann, die seit Jahren gute Frequenzen verzeichnet.

Die letzten Jahre lief es gut dort oben. 8700 Übernachtungen verzeichnete man. Ob das getoppt wird? Wäfler sagt: «Schwierig zu knacken.» Der letzte Winter sei schwierig gewesen. Im März und über Ostern war Föhnsturm. Die Zubringerbahn konnte nicht immer fahren. Mit Hinblick auf den Sommer sieht es nicht viel besser aus. Der viele Schnee, der zwar für das Hochgebirge und für die Gletscher gut ist, hinderte viele daran, zur Hütte zu wandern.

Am Montag aber pilgerten 60 Gäste zur Hütte. Sie alle schliefen in einem der Zimmer mit dem vielen Holz und dem Blick auf das Balmhorn und das Bietschhorn. Kurz vor Dienstagmittag sind schliesslich noch zwei Familien da. Auch sie sollen bald aufbrechen. Währenddessen schaut in unmittelbarer Nähe das Steinwild vorbei.

Die Wäflers haben viele Menschen kommen und gehen sehen. Die Gästeerwartungen seien in den letzten Jahren sicherlich gestiegen, was Komfort, Verfügbarkeit sowie Service angeht. Barbara Wäfler erzählt, sie hätte einmal Gäste beherbergt, die bestellten ein Lämmerateller mit Käse, Wurst und Trockenfleisch. «Ich wollte es ihnen auf den Tisch stellen, sie sagten mir aber, der Teller sei für den Hund.» Das habe sie erstaunt. Zudem müssten im Angebot auch laktosefreie, vegane Lebensmittel vorkommen. Aber man arrangiere sich, sagt Wäfler. «Wir arbeiten in einer einzigartigen Umgebung mit angenehmen Gästen. Es ist das Rundum-Paket, was es ausmacht.»


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